News aus dem Hafen von Santa Cruz

Mittwoch, 27. August 2014

Vom Tabakblatt zur Zigarre

Der lange und mühsame Weg zum guten Puro


Seit Mitte August wird auf La Palma wieder Tabak geerntet. Aufgrund der nicht so trockenen und heißen Sommermonate, fängt die Ernte in diesem Jahr fast zwei Wochen früher an. Normal sind die Tabakpflanzen erst im September erntereif.

Schöne große bis zu 2 Meter hohe Pflanzen und ... von ausgezeichneter Qualität, stehen hier links unter dem schattierenden Gazeenetz. Eine etwas andere Anbaumethode, neue angepasste Tabaksorten und stetiges Wässern mit einer halbautomatischen Tröpfchen-Bewässerung macht dies möglich.
In den vergangenen Jahren sind viele Manufakturen wieder dazu übergegangen eigenen Tabak anzubauen. Das erspart den kostenintensiven Import aus Kuba, Brasilien oder Sumatra. So wie es früher üblich war, die Puros aus 100 % eigenem Tabak zu Drehen. Pflanzenkrankheiten, zu warme Sommer und immer weniger Tabakanbauer machten die Einfuhr notwendig.

Gegen fliegende Schädlinge schützen diese Netze. Auch überlegt man in Zukunft Nutzinsekte, wie Raubmilben oder Marienkäfer unter den Zelten einzusetzen. Die besten Anbaugebiete liegen oberhalb von 600 Meter über dem Meer auf der Ostseite in San Isidro (Brena Alta) und im Westen in Bereichen der Caldera. Eine fast konstant hohe Luftfeuchtigkeit von über 60 % und kühlere Nächte begünstigen das Wachstum der Pflanzen.

Die im Monat April gesetzten Sämlinge werden jetzt Blatt für Blatt vom Stamm abgeerntet und zum Lufttocknen in einer überdachten Halle oder im Freien aufgehängt.
Nicht jede Blattlage hat die gleiche Qualität. Die am Stamm oberste Lage entwickelt am meisten ätherische Öle und ist für ein Deckblatt (äußere Purohülle) nicht geeignet.
Optimal sind die Blätter der 2. und 3. Lage. Nach diesen Kriterien findet bereits die Ernte statt. Besonders große Blätter dienen nachher als Umblatt und Deckblatt. Hier bleiben sie ungefähr für 6 Wochen - je nach Witterung - hängen, bis noch ca. 20 % Restfeuchte vorhanden ist.

Lange Reihen, wie hier auf dem Foto links in der Manufaktur Finca El Sitio, zeigen bereits einen zweiwöchigen Trocknungsvorgang. In der Nacht werden die Reihen mit einer Plastikplane abgedeckt, damit ausfallender Nachttau den Trocknungsprozess nicht unnötig verlängert und Qualitätseinbussen zur Folge hat.
Jeder der Schritte erfolgt in zeitraubender Handarbeit. Genauso wie das spätere Drehen der Puros - darauf legt Antonio Gonzales der Patronat der Finca großen Wert.
Ex nihilo nihil fit - Von nichts kommt nichts.
Viel Erfahrung, gründliches Arbeiten und die Liebe zum Produkt sind die entscheidenden Faktoren.
Paarweise werden mit Hanf oder Draht die Blätter gebündelt und in Reih und Glied aufgehängt. Bis daraus ein Puro hergestellt werden kann sind noch viele Arbeitsschritte notwendig. Nach der Lufttrocknung werden die Blätter Fermentiert.
Ein Gärprozess der erst den Geschmack und die typische Braunfärbung bringt. Dieser Vorgang wird je nach Verwendungszweck bis zu 3x wiederholt. Anschließend ist Ruhe angesagt. Rund 2 Jahre muß nun der Tabak lagern um feine Geschmacksnuancen heraus zu arbeiten. Ein ähnlicher Entwicklungsvorgang wie im Gärkeller für einen guten Wein. Ständige Kontrolle, die richtige Luftfeuchtigkeit, die ideale Temperatur und mehrfaches Umlagern lassen dann einen leichten, würzigen oder aromatischen Tabak entstehen.

Auch wenn die Blüten der Tabakstaude (unten) schön anzusehen sind, eignet sich diese Pflanze höchstens noch für die Samenvermehrung, als Einlage eines Shortfiller oder für die Blumenvase. Alle Kraft wurde für die Blüten und Samenbildung aufgebraucht.
Ich werde diesen Vorgang in den nächsten Monaten Begleiten und die über die Entwicklungsschritte weiter berichten.


Dienstag, 19. August 2014

Die Flugpreise nach La Palma sind nicht billig

Auch "Eintagsfliegen" kostet seinen Preis

Die Fluggesellschaften buhlen um ihre Gäste.
Nicht wirklich.

Solange nur zwei Gesellschaften die Insel La Palma anfliegen gibt es keinen großen Konkurrenzkampf. Darüber sind sich Condor und Airberlin sicher einig. Da machen auch die Lufthansa Billigflug-Töchter keine große Ausnahme.
Damit bleiben auch die Flugpreise relativ hoch. Auch das ganze Schaulaufen mit "Eintagsfliegen" und Sonderofferten ist meist nur eine Werbestrategie.


Entweder ist der Hinflug günstig, dann aber der Rückflug doppelt so teuer.
Klar ist allerdings auch, dass Flüge für 29,- Euro niemals kostendeckend sein können. Das war vor Jahren noch die große Masche.
Inzwischen hat sich alles eingependelt und die Gesellschaften versuchen ihre Maschinen voll zu bekommen. Daher gibt es weniger Flüge nach La Palma und zu einem höheren und wahrscheinlich marktgerechten Preis.

Schlecht sehen da Fluggäste mit Familien aus die zu einem bestimmten Termin - wie Schulferien - fliegen müssen.
Ist der Gast aber flexibel können sich auch heute noch günstige Konstellationen ergeben.

So gibt es Flüge bei Condor ab München am 2.9.2014 für 129,99€ und
ein Rückflug ab La Palma nach München am 16.9.2014 für 139,99 €.

Für Hin- und Rückflug also insgesamt 269,98 €.
Das war übrigens der günstigste Flug den ich heute entdeckt habe.

Doch schauen Sie selbst in die Condor "Eintagsfliegen", die ab Donnerstag buchbar sind.






Dienstag, 12. August 2014

Astronomie und Perseiden Sternschnuppen

Auf La Palma ist man dem Himmel näher

Hinweis: Zur aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika weiteres - Ebola und die Kanaren

Der Mond fasziniert viele Menschen. Nicht nur, dass er bei Vollmond die Nacht zum "Tage" macht, sondern auch viele andere Dinge unseres Lebens beeinflusst. Ob es unser Schlaf- Rythmus, Flut und Ebbe oder das Pflanzenwachstum ist - ohne Mond das meinen die Wissenschaftler, hätte sich Leben auf diesem Planeten so überhaupt nicht entwickelt.

In der Nacht vom 10./11. August 2014 stand er wieder einmal der Erde besonders nah. Mit nur 356.000 Kilometer Erdabstand fliegt er nur alle 13 Monate auf seiner elliptischen Bahn so nahe über unsere Köpfe hinweg. Die Aufnahme links lässt sich natürlich mit einer normalen Kamera nicht bewerkstelligen. Dafür benötigte Ralf Weinedel/pixelio.de ein "12 SC-Teleskop mit 3 m Brennweite.
Aber diese Aufnahme (links) habe ich mit meiner Olympus HD F1,8 am Abend von der Terrasse geschossen. Die Solarleuchten am Tisch, über den gelb erleuchteten Flugplatz Mazo zur spiegelnden Meeresoberfläche. Diese Schauspiel lässt sich auf der Ostseite von La Palma häufig beobachten.

Jetzt kommen auch noch die Sternschnuppen- Ströme dazu. Die Perseiden erreichen heute Nacht am 12./13. August ihr Maximum. Noch stört allerdings das helle Mondlicht die Beobachtung. Heute geht der Mond (noch 97 % Beleuchtung) um 22.10 Uhr auf (siehe Mondphasen für La Palma). Der Aufgang verschiebt sich jetzt pro Tag um rund 30 min., so dass in wenigen Nächten der abnehmende Mond nicht mehr stören wird. 20 bis 30 Meteoriten in einer Stunde konnte ich schon beobachten. Kleine nur kurz aufblitzende, aber auch größere Boliden, die bis zur Erd- bzw. Meeresoberfäche stürzen.

Die Dunkelheit mit wenig Straßenbeleuchtung, macht La Palma zu einem idealen Standort für atronomische Himmels- Beobachtungen. Und wenn Sie sich gefragt haben warum der Flugplatz Mazo auf dem Foto gelb/orange beleuchtet ist, dann liegt das an einer besonderen Vorschrift. Zum Schutze gegen "Lichtverschmutzung" müssen auf der Insel alle öffentlichen Beleuchtungskörper mit kurzwelligen orange leuchtenden Leuchtmitteln ausgestattet sein. Auch darf keine Lampe in den Himmel strahlen. Das war eine Voraussetzung für die Ansiedlung des Astrophysikalischen Observatorium auf dem Roque de los Muchachos.

So einfach lässt sich der Mond nicht an die Wäscheleine hängen (Foto: Hans Peter Dehn/pixelio.de). Hier war schon etwas Kunst und Ausdauer gefragt, um diesen lustigen "Schnappschuss" so zu gestalten.

Ich werde nun wieder meine Nächte draußen mit der Himmelsbeobachtung verbringen ...und damit bin ich nicht allein.
Einige Veranstaltungen wie "Noche de Luna y Perseidas" in Polvacera oder "Navegando bajo Las Perseidas" Himmelsbeobachtung vom Schiff "Fancy" in Puerto Tazacorte werden in den nächsten Nächten angeboten.

Donnerstag, 7. August 2014

Piraten-Attacke ANO 1553 auf Santa Cruz de La Palma

DIA del CORSARIO

Zum ersten Mal wurde in Santa Cruz de La Palma an eine geschichtsträchtige und leidvolle alte Epoche erinnert.

Am Freitag, dem 21. Juli 1553 um die Mittagszeit stürmten 700 Piraten unter dem Kommando des französischen Korsaren Francois Le Clerk - auch unter dem Namen "Pata de Palo" (das Holzbein) bekannt, die Hauptstadt. Mit Raub, Totschlag und Brandschatzung plünderten die Piraten die damals wohlhabende Stadt aus. Über 9 Tage bis zum 30.7.1553 loderten die Flammen und legten Santa Cruz in Schutt und Asche.

Auch heute noch teilt sich die Stadtgeschichte in die Zeit vor und nach dem Jahre1553. Alles was wir heute an alten historischen Gebäuden in der Altstadt sehen, wurde erst nach dem Großen Feuer wieder aufgebaut. Kurzerhand wurde am vergangenen Wochenende die Santa Maria zum Piratenschiff umfunktioniert und von Korsaren besetzt. Eine ideale Kulisse um die dokumentierten Vorgänge und Dialoge Nachzuspielen. Santa Cruz war zur damaligen Zeit weltweit der dritt-wichtigste Hafen nach Antwerpen und Sevilla.Vor allem der Handel mit der "Neuen Welt" und der hiesige Zuckerrohranbau lockte Händler und Kaufleute aus Frankreich, Portugal und England auf die Insel. Auch einige flämische und deutsche Dynastien (wie z.B. die Fugger) schickten ihre Repräsentanten.

Und die "Piratenbraut" im richtigen Outfit durfte natürlich auch nicht fehlen. Stilecht mit einem ausgestopften Papagei auf der Schulter, selbstbewusst und die Goldschätze der Haupstädter zum Greifen nah im Auge.
Wenn man den alten Aufzeichnungen glauben darf, hatte keiner der Bewohner mit einem Piratenangriff gerechnet. Eine geordnete Evakuierung war nicht mehr möglich. Auch ein letzter Schlichtungsversuch der Franziskaner Mönche endete mit deren Tod. Francois Le Clerk`s Mannen  konnten ungehindert Wüten und alles Wertvolle zusammenrauben.

Erst der Aufmarsch eines Bauernheer aus dem Norden um Garafia, mit Balthasar Martin (Foto oben) an der Spitze, konnte den Rückzug der Piraten etwas beschleunigen. Mit vollen Schatzkisten bestiegen die Plünderer ihre Beiboote und konnten unversehrt mit ihrer Flotte am Horizont verschwinden.

Eine Laiengruppe aus La Palma war Initiator und hatte in selbstgenähten Kostümen zum ersten Mal versucht, die doch für Santa Cruz wichtigen Ereignisse nachzustellen. Mehrere Stationen in der Altstadt, wie die für die Piraten reichen aber unnützigen kirchlichen Einrichtungen oder wohlhabende Handelshäuser, wurden angegangen und ... "geplündert".
Es war auch interessant die kleinen Details, wie die Schuhe oder Strümpfe (Foto links) näher in Augenschein zu nehmen. Auch wenn sicher nicht alles stilecht war, doch Anlass für Viele sich mit einem Korsaren gemeinsam Ablichten zu lassen.

Noch fanden sich nur wenige Besucher ein. Die Vorlage ist aber ausbaufähig. Mit einer voll aufgetakelten Santa Maria und mehr Pulverdampf, könnte sich die Veranstaltung in den nächsten Jahren zu einem Magneten entwickeln.




Freitag, 1. August 2014

Fuente Santa - Heilquelle mit Wunderwasser ?

Was verbirgt sich hinter der Heiligen Quelle?

Auch im Untergrund hat La Palma einiges zu bieten. Ob Lavaröhren, Höhlen oder die Suche nach der verschollenen Fuente Santa  - der Heiligen Quelle. Jahrelang hat man gebohrt und gesucht und wurde nun endlich fündig (Foto: Stolleneingang). Es ist die heiße Thermalquelle, nach der der Ort Fuencaliente im Süden der Insel, seinen Namen bekommen hat. Es war die damals weithin bekannte Heilquelle die beim letzten Ausbruch des Vulkan San Antonio im Jahre 1677 verschüttet wurde. Das war unser heutiges Ziel nach Abschluss der Bauarbeiten das vollendete Werk etwas genauer zu inspizieren. Für registrierte Besucher (Anmeldung beim Cabildo oder Ayuntamiento Fuencaliente) ist an einigen Donnerstagen im August ein Besuch noch möglich.

Am Fuße eines großen Steinkreuzes soll sich diese Heilquelle befunden haben. Der Blick links aus einem Spalt im Stollen zeigt die südliche Aussenwand des Vulkan San Antonio. In der Wand befindet sich bei genauer Betrachtung (auf dem Foto nicht zu erkennen) ein von Lavakanälen gebildetes Kreuz. In zwei Tümpeln mit den Namen San Lorenzo und San Blas soll sich mit den Gezeiten bis zu 60° heißes Quellwasser erhoben haben und dann bei Ebbe wieder verschwunden sein. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Heilkraft dieser Quelle schnell über die Grenzen bekannt. Patienten aus ganz Europa und Amerika kamen um eine Linderung ihrer Leiden bei Syphilis, Rheuma, Lepra, Arthritis oder bei Hauterkrankungen zu finden.

So wie auf dem Foto links in Nähe des Stolleneingang könnten die Heiltümpel ausgesehen haben. Das Heilwasser wurde in Fässern auch bis nach Antwerpen und Kuba exportiert. Es war damals die größte Einnahmequelle der Insel. Der heutige Ortsteil von Fuencaliente "Las Indias" wurde gegründet. Dieser Name steht für reiche Bewohner, so wie auch zurückkehrende und vermögende Kuba und Südamerika Emigranten (Indianos) genannt wurden.
Eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang am 13. November 1677 brach die Hölle los. Der Vulkan San Antonio ergoss aus 13 Schloten seine Magma und verschüttete die Fuente Santa unter einer 60 Meter dicken Lavaschicht. Damit wurde auch die wichtigste Einnahmequelle begraben.

Über mehrere Jahrhunderte wurde nach der Quelle ergebnislos gebuddelt, geschaufelt und gesucht und erst jetzt wieder gefunden. Das glauben zumindest die Ingenieure um Carlos Soler. Ob die Orginalquelle tatsächlich gefunden oder nur ein Nebenarm der Quelle angebohrt wurde, darüber sind sich auch die Fachleute nicht sicher.
Der Stollen führt über einen 180 Meter langen Gang in Richtung Steinkreuz zur Außenwand des San Antonio. Eine 60 Meter dicke poröse Lavaschicht liegt über dem Tunnel. Wie in einem Käfig ist der Gang mit Stahlträgern gegen herabstürzende Steine abgesichert. In dicken Alurohren wird Aussenluft in den Kanal gepresst. So ist immer genügend Sauerstoff und kühlende Luft auch am Ende des Ganges vorhanden. Die Nähe zum Vulkan lässt die Tunnelwände immer wärmer werden. Das im Untergrund von Vulkanen vermehrt austretende Kohlendioxid (CO²) wird dadurch auch verdünnt und rasch aus dem Tunnelsystem geblasen. Entsprechende Kontroll- und Messgeräte sind vorhanden. Trotzdem wurde vor Betreten des Stollen eine schriftliche Erklärung (Haftungsausschluss bei erhöhter Gaskonzentration) abverlangt.

So sieht also nun die "neue" Fuente Santa aus. Aus dem Boden treibt 39,8° warmes Thermalwasser in die Höhe. Es hat eine hohe Konzentration von Kalzium - in einem Kohlensäure-Bicarbonat- Gemisch und andere Spurenelemente. Quellen mit einer ähnlichen Wasser- Zusammensetzung gibt es nur in Vichy, Frankreich und in Bad Nauheim, Deutschland. Das stark salzhaltige Thermalwasser ist zum Trinken - also für die innerliche Anwendung - nicht geeignet. Starke oberflächige Salzausblühungen verführen auch nicht unbedingt zum Genuss.

Marie (Foto) hat es getestet. "Reines Meereswasser schmecke da noch lecker. Aber auf der Haut fühle es sich gut an. Die Haut würde sofort geschmeidiger und gestrafft".

Noch ist die Wasserausbeute gering. Es gibt aber schon hochtrabende Pläne für den Bau eines Balneario - eines Heilbades - oder eines Wellness- Tempel. Auch über den weltweiten Export unseres "Wunderwasser" wird nachgedacht.

Träume und Vorstellungen sind die eine Seite, die machbare Realität aber die Rückseite. Am Geld und den finanziellen Möglichkeiten ist hier schon manches gescheitert. Ich habe mir auf jeden Fall eine Flasche dieses Heilwasser zum Testen eingepackt. Ob es den Haarwuchs meines Kopfes anregt oder den Blumenkübel zu üppiger Blüte animiert - im Erfolgsfall werde ich natürlich darüber berichten.

Samstag, 26. Juli 2014

Bald Drohnen über La Palma ?

Waldbrand Früherkennung aus der Luft

Unbemannte Fluggeräte, "Drohnen" (Foto: IAI Heron) sind bereits seit einigen Jahren im Einsatz. Sie sind der verlängerte menschliche Arm oder das Auge um über weite Strecken Lasten zu transportieren, bis zu 36 Stunden aus der Luft ein Terrain zu beobachten oder sonstige Missionen durchzuführen. Sie können autonom starten, ein gewisses Gebiet schematisch abfliegen und nach erfolgter Aufgabe auch wieder eigenständig landen. Vor allem im militärischen Bereich haben sie in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.


Erst vor wenigen Tagen wurde von einer französischen Militär-Drohne in der nahen Sahara das Wrack des abgestürzten Algerie Flugzeug MD83 aufgespürt.

Zur Zeit wird auf den Kanaren überlegt, ob mit einer Drohne Waldbrände frühzeitig entdeckt werden können. Immer in der Sommerzeit entstehen auf den dicht bewaldeten Westinseln (La Palma, La Gomera, El Hierro und Teneriffa) Busch- und Waldbrände die sich in kurzer Zeit zu katastrophalen Brandherden mit großem Schaden für Mensch und Natur entwickeln können.

Je schneller ein Brand bekämpft wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit das Feuer gleich im Keime zu ersticken. Aus diesem Grunde gibt es über La Palma verteilt Beobachter, die an exponierten Stellen oder auf Beobachtungstürmen rund um die Uhr die Lage beobachten und Alarm schlagen.
Mit Hubschraubern, wie die hier über die Sommermonate in Puntagorda stationierte BRIF Löschbrigade (siehe Beitrag vom 20.6.14), können dann zügig Brände auch an schwer zugänglichen Stellen bekämpft werden.

Die Military Emergency Unit (UME), eine luftbewegliche Militäreinheit für Katastropheneinsätze, die auch auf Teneriffa und Gran Canaria stationiert ist, prüft nun die Verwendung von Drohnen zur Waldbrand Früherkennung.
Die UME ist uns gut bekannt und hat mehrfach mit Personal und schwerem Gerät bei den großen Feuern vor einigen Jahren oder bei den Evakuierungs- Vorbereitungen während der Vulkankrise 2011 auf El Hierro erfolgreich mitgewirkt.

Ob es allerdings gleich so eine große Drohne wie die israelische Heron 1 (Foto oben) mit einer Länge von 6 Meter und einer Flügelspannweite von 8,50 Meter sein muss oder auch ein etwas kleineres Exemplar ausreicht, wird getestet. Hier auf dem Bild die DJI Phantom mini Quadro dürfte zu klein und nur für die örtliche Brandbeobachtung tauglich sein.





Getestet wird vom südspanischen Flughafen San Javier bei Murcia auf dem Festland. Es ist nicht nur die Drohne als Fluggerät, sondern das ganze Ortungs- und Navigationssystem das sich in den bereits vorhandenen regen Flugverkehr um die Kanaren einfügen lassen muss.

Bereits seit zwei Jahren läuft ein Forschungs- und Demonstrationsprojekt der ESA unter dem Namen DeSIRE, das die großflächige Meeresüberwachung zum Ziel hat. Mit Hilfe von Satelliten und Drohnen soll in einem nicht geschlossenen Luftraum die Identifizierung von Schiffen und Booten möglich werden.










Das Projekt (Foto: ESA) ist unter dem Hintergrund der stetig anwachsenden Flüchtlingsströme aus Westafrika in den EU Raum (Kanaren/Italien) zu sehen. Die Frontex zum Schutze der EU Aussengrenzen soll in die Lage versetzt werden, rechtzeitig Schiffsbewegungen zu Orten und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Teile dieses DeSIRE Programm könnten in einem Drohnen Feuer-Frühwarnsystem für die Kanaren übernommen oder eingebunden werden. Es muss allerdings sichergestellt sein, dass der zivile Flugverkehr ungestört Passagiere zu den Inseln bringen kann. 
Es ist ein komplexes Gebilde das ich hier nur am Rande ansprechen möchte.

Dazu kommt noch ein weiterer Hemmschuh. Die spanische Gesetzgebung verbietet bislang den Einsatz von privaten und gewerblichen Drohnen über ihrem Staatsgebiet. Die UME ist als Militäreinheit davon allerdings nicht betroffen.
Die spanische Agentur für Flugsicherheit (AESA) hat erst im April 2014 in einem 5-Seitigen Dokument klar gestellt, dass zur Verhinderung von Unfällen und Missverständnissen, der Betrieb von fengesteuerten Fluggeräten zu professionellen oder kommerziellen Zwecken nicht erlaubt sei.

Da Drohnen in Zukunft eine immer größere Bedeutung zukommen dürfte, ist auch der spanische Gesetzgeber aufgewacht. Er verabschiedet in Kürze eine neues Dekret, das unter bestimmten Voraussetzungen den Einsatz von Drohnen auch im nicht militärischen Bereich regeln soll.  
Auch in Spanien werden seit Jahren neue Drohnen entwickelt. Die erste überhaupt in der EU zugelassene Drohne stammt von der spanischen Firma Ft-Altea aus Madrid. 


Die 80 kg schwere Drohne Altea-Eco (Foto) wurde speziell zur Früherkennung von Waldbränden sowie die Überwachung von Infrastrukturen gebaut. Mit hochauflösenden Kameras, Wärme-, Infrarot- und CO² Sensoren kann sie in Echtzeit ihre Daten an die Leitstelle weiter geben.