Kanaren News (El Hierro-La Gomera-La Palma)

Freitag, 18. Juli 2014

Mysteriöse Löcher am Meeresstrand

Punta del Poris




Geheimnisvolle Löcher mit Trittstufen am 100 Meter entfernten Sandstrand. Von Menschenhand erschaffen. Kein Badetümpel - davon hätte auch einer gereicht. Im nächsten Umfeld befinden sich aber über 10 weitere ausgemauerte Wasserlöcher (Foto links). Wie Maulwurfshügel reihen sich auf engstem Raum die Kronsteine der Becken aneinander. Auch ist kein Dorf in der Nähe, sondern nur eine kleine Anssiedlung von Casitas (Wochenendhütten). Die ausgesuchten Steine für die Ummauerung sind in Trockenbauweise (ohne Beton) aufgeschichtet und ca. 4 Meter hoch. Alte Trinkwasser- Brunnen können es auch nicht gewesen sein, da sie auf Meereshöhe liegen und im Gezeiten Rhythmus sich automatisch mit Salzwasser füllen und auch wieder entleeren. Vielleicht kleine Lagunen zur Meeres-Salzgewinnung ? Dafür sind sie aber zu klein und bräuchten auch stehendes Wasser zum Verdunsten.

Mysteriöse Bauwerke einer längst vergangenen Zeit im Gemeindegebiet von Mazo auf der Ostseite von La Palma.
Hier lag früher ein Pueblo, ein Ortsteil von Villa de Mazo. 1920 zogen die Bewohner an die 600 Meter höher liegende neue Straße und gründeten den neuen Ort Montes de Luna (Mondberge) . Es war die erste damals noch nicht geteerte Straße, die gerade fertig gestellt wurde und Santa Cruz über Fuencaliente im Süden mit Los Llanos im Westen verband. Die bessere Lage und eine leichtere Verkehrsanbindung dürfte wohl der Hauptgrund für die Umsiedlung gewesen sein. Die Piste wurde erst 1935 mit einer Teerdecke versehen. Die letzen noch verbliebenen 8 Einwohner sollen nach einem schweren Unwetter dann 1957 nach oben in die "Mondberge" gezogen sein.



Warum und für was hatten aber nun die "alten" Bewohner diese Wassertümpel angelegt ? 


Es sind die Puerta oder Punta del Poris - ein Eigenname. El Prois ist im Spanischen "die Befestigung" - also wahrscheinlich eine Wortabwandlung. Die brunnenartigen Vertiefungen an der Küste wurde jeweils von zwei Familien benutzt. Zur damaligen Zeit wurden Chochos, eine lupinenähnliche Bohne oder Kichererbse - ähnlich der in Deutschland bekannten Saubohne - angebaut. Sie war neben den Papas (Kartoffeln) der wichtigste Kalorien-Lieferant. Chochos mussten nach der Ernte eine Woche in Salzwasser eingeweicht werden, um überhaupt genießbar zu sein. Genau in diesen Trichtern, die bei Flut neues Meerwasser aufnahmen (Foto bei Ebbe), wurden die Chochos gewässert. Giftstoffe wurden so ausgewaschen.
  
Anschließend wurden die Chochos auf dem Trockenplatz (Foto links) und einem Podest zum Trocknen ausgelegt und später noch geröstet. Sie konnten nun pur oder als Beimengung zu Trigo (Getreide) konsumiert werden. Heute werden Chochos und Kichererbsen noch als ein Bestandteil zu Gofio verarbeitet. Punta del Poris wurde vor Jahren renoviert, ist aber selbst auf La Palma den wenigsten Bewohnern bekannt. (Danke an Florian G für die Hinweise).
Von Punta del Poris gibt es diesen Blick (Foto unten) bis zur Südspitze. Auch ein einsamer Sandstrand, der allerdings nur über das Wasser oder nach einer Klettertour zu erreichen ist, lädt von der Ferne zum Träumen ein.

Es sind die stillen und meist vergessenen Orte, abseits jeder Straße und auf fast keiner Karte verzeichnet, die mich faszinieren und zum "Entdecker" machen... und davon gibt es auf La Palma genügend. Mir reicht es dabei nicht aus, nur ein paar Schnappschüsse zu machen, sondern ich möchte schon die Zusammenhänge und Gründe tiefer und genauer Hinterfragen und auch Verstehen.

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