Kanaren News (El Hierro-La Gomera-La Palma)

Posts mit dem Label Caldera de Taburiente werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Caldera de Taburiente werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 7. Juli 2014

Cascada de Colores - die Goldquelle ?

Goldstrom oder Schwefeldämpfe ?

Wie kleine Stalaktiten hängen im Nationalpark Caldera de Taburiente auf La Palma die Tropfsteine von der Höhlendecke. Nicht im üblichen grau oder weiß - sondern in einem kräftigen Ockergelb. Kein leicht löslicher Kalkstein, den gibt es kaum auf der Insel, sondern ein anderes Mineral das sich hier in Nähe von Dos Aquas ablagert.      

Am Ende des Regenbogen 
Fast magisch wirkt dieser Winkel im südöstlichen Innern des Senkkraters. Ein 6 Meter hoher Wasserfall über den das Quellwasser in die Tiefe stürzt und seinen Weg gelb einfärbt. Moose und Flechten bilden mit ihrem saftigen Grün den passenden Rahmen. Je nach Sonneneinfall vergrößert sich die Farbpalette und es entsteht ein traumhaftes Farbenspiel. Fast schon Unwirklich aber Tatsache.

Die Cascada de Colores (587 m/M) im Herzen der Caldera de Taburiente (Foto links: www.santossaul.com). Solch ein eindrucksvolles Foto ist natürlich nur bei entsprechenden Lichteinfall zu machen. Die Cascada de Colores wird in der jüngeren Literatur oft erwähnt, aber es gibt kaum historische oder wissenschaftliche Aufzeichnungen. "Die Heilquelle am Fuße des Roque Idafe - der heiligen Felsspitze der Guanchen -  mit magischen Eigenschaften und nur einem ausgewählten Kreis zugänglich". Ob tatsächlich von dieser Cascada gesprochen wird ist nicht klar. Es gibt nämlich noch ca. 2 km weiter oben dem Bachlauf folgend, eine natürlich entstandene Cascada. Allerdings auch für den geübten Wanderer wegen der schwierigen und gefährlichen Geländeverhältnisse fast nicht erreichbar.
Die jetzige Cascada de Colores war im Kleinformat immer schon vorhanden. In den 1960er Jahren wurde sie allerdings mit einer Staumauer ergänzt, um Wasser zu speichern.



Der Rio Rivanceras oder passender Rio Limonero wie er auch heißt, führt im Monat Juli nur noch wenig Wasser. Das Foto oben entstand kurz vor dem Zusammenfluss mit dem Rio Almendro Amargo der kristallklares Wasser beisteuert. Es ist also nur ein eng begrenzter Bereich aus dem das gelb gefärbte Wasser kommt. Es sind rötlich eingelagerte Eisenerze (Foto links) die dem Wasser die markante Farbe geben. Nur in diesem kleinen Barranco gibt es punktuell besonders eisenhaltige Lava. Das durchfließende Wasser löst hier die eisenhaltigen Elemente im Stein.

Sobald außer Wasser noch Sauerstoff dazu kommt, wird eine elektrolytische Reaktion in Gang gesetzt. Es entsteht Eisenoxid oder umgangssprachlich auch Rost genannt. Diese Eisenhydroxide treten an ihrer Ursprungsstelle (Bild links) stark konzentriert und rötlich gefärbt auf. Durch die weiter Oxydation ändert sich die Farbe in Ocker. Eisenhydroxid ist nicht wasserlöslich und treibt als kleinste Partikel bis in den Nano- Bereich im Wasser mit, bis es ausflockt bzw. sich aus dem Wasser wieder löst.
Der gelegentliche Genuss dieses Wasser ist nicht gefährlich oder schädlich. Den Geschmack würde ich als "Eisenhaltig" aber durchaus genießbar, beschreiben. Die Temperatur dürfte bei 16° bis 17° liegen. Aber es sind die Ausblühungen und Ablagerungen die das Leben unter ihr Ersticken. Auch Wasserkanäle und Rohre können sich im Laufe der Zeit "Zusetzen".

Zurück bleibt eine zähe schlammähnliche Masse mit einer besonderen "Farbkraft". Es ist die natürlich organische Farbe "Ocker" die bei einigen Naturvölkern zur Körperbemalung eingesetzt wurde. Im Foto links haben bereits Vorgänger die Farbkraft getestet und sich verewigt. Der nächste Regen wird die Initialen wieder abwaschen.
Es gibt nur wenige Orte auf der Erde wo gelbes Wasser zu beobachten ist. Es sind meist Geothermal- Gebiete mit heißem Grundwasser. Im Nordosten von Aethopien, im Yellowstone Nationalpark oder im "Wai-O-Tapu" in Neuseeland. Hier sind es aber Schwefel- und Kaliumsalze mit giftigen Verbindungen oder auch farbige Bakterien und Algen, die eine Wasserverfärbung bewirken.

Eine Kaltwasserverfärbung wie auf La Palma ist eigentlich nur in Gebieten mit aufgelassenen und gefluteten Bergbaustollen bekannt. Über den Gängen lagernde Eisenerze werden durch das Fluten animiert und lässt dann "gelbes Wasser" entstehen.
Wir haben hier auf La Palma schon eine sehr seltene Quelle, die vielleicht auch Heilkräfte birgt. Da ich mich viel mit Vulkanologie (El Hierro) beschäftige, stellt sich natürlich die Frage:
Warum findet sich nur hier in einem sehr eng begrenzten Bereich, so stark eisenerzhaltige Lava ?
Bei mehr als "Tausend Vulkanen" auf allen Kanarischen Inseln mit vielen Quellen tritt sonst kein ockerfarbenes Quellwasser aus.
Ob ich darauf eine Antwort finde?

Marie (Foto) vergnügt und erfrischt sich derweil unter der Cascada de Colores.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Auf die Ansicht kommt es an

Draufsicht

Aus dieser Satellitenperspektive der NASA erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Unsere Isla Bonita von Nordosten aufgenommen (zum Vergrößern Anklicken). Unverkennbar der vulkanische Ursprung mit dem großen Senkkrater der Caldera de Taburiente (9,9 km im Durchmesser). Unter den weißen Wölkchen an der Einbuchtung auf der Ostseite Santa Cruz de La Palma. Und noch etwas fällt hier besonders auf ...die lange Talsenke im Westen. Das Aridane Tal bis weit nach Süden. Hier fehlt etwas in der Gesamtstruktur der Insel. Ein gewaltiger Erdrutsch vor mindestens 5.000 Jahren in den Atlantik. Dokumentiert ist eigentlich nur ein Abrutschen der Westflanke direkt am Kraterrand der Caldera. Entstanden ist  damals das Barranco de Las Angustias Richtung Puerto de Tazacorte.

Es muss aber noch in der Frühzeit von La Palma mindestens einen weiteren Bergrutsch in den westlichen Atlantik gegeben haben. Große Landmassen nach Süden fehlen. Es sind immerhin Höhen- Differenzen von 1000 bis 1500 Meter (Todoque - Cumbre). Das ist genau auch der Bereich, den der englische Geologe Dr. Simon Day in seiner These als zukünftiges Gefahrenpotential (Tsunamie-Theorie) ansieht.

Unterwasseransicht

Auch unter Wasser gibt La Palma etwas her. Seit einigen Tagen gibt es noch die in Spezialbeton gegossenen "Enanos" (Zwerge) vor der Küste von Santa Cruz zu bewundern. Eine traditionelle "Fabelfigur" die als Persiflage mit napoleonischer DreiZack-Mütze im 18. Jahrhundert entstanden ist. 20 dieser zwei Meter großen Kameraden sollen insgesamt versenkt werden (Fotos. Ayuntamiento S.C.- Medina).
Mit Hilfe eines Schwimmbaggers und Taucher wurde der erste Teil unweit des neuen Stadtstrand, auf dem Meeresboden verankert. Jetzt fehlt noch das Schiffswrack - ein ausgedientes und schrottreifes Frachtschiff - das hier auf dem Meeresgrund zur Ruhe kommen soll. Vor Jahren bereits wurde der alte Kahn geordert und auf die Kanaren geschafft. Auf La Palma ist es allerdings nie angekommen. Er soll wie man hört, auf einer Nachbarinsel dahin Ankern. Wenn dann mal alles an Ort und Stelle ist, haben wir neben den Trümmern eines in den 70er Jahren abgestürzten Flugzeug, diese Unterwasser Attraktionen für Taucher zu bieten.

Über der Wasserlinie sieht es im Augenblick nicht so spannend aus. Für die neue Playa vor Santa Cruz fehlt immer noch das Wichtigste - der Sand. Die Wellenbrecher und Mauern (Foto im nördlichen Sektor) sind weitestgehendst gebaut. Ab und zu ist auch ein Sandbagger- Schiff zu Gange. Der notwendige Sand wird mit diesem Arbeitskahn ca. 8 km nördlich von der Playa Nogales (Puntallana) geholt. Bei diesem Tempo - benötigt werden ca. 60.000 LKW Ladungen Sand - kann die Fertigstellung bis Sommer 2015 oder noch länger dauern. Auch mit dem Verlegen der Abwasserleitung auf der nahen Maritima verläuft es zäh. Irgendwie sind dort die Bauarbeiten jetzt ins Stottern geraden. Aber es ist ja auch Sommerzeit - Vaccassiones - Ferien- und Urlaubszeit ... und da hat der Palmero ganz andere Interessen.

Innenansicht

Was macht man, wenn die Playa noch nicht fertig ist (Anm: es gibt allerdings noch weitere fertige Playas), es geht zum Wandern. Durch die tiefen Wälder und Barrancos immer dem Wasserkanal (Foto links) entlang. Über 86 km verläuft auf der Ostseite der Wasserkanal von Barlovento im Norden bis nach Fuencaliente im Süden. Genau genommen gibt es sogar zwei parallel verlaufende Kanäle in 400 und 600 m Höhe. An einem Tag natürlich nicht zu schaffen - aber in mehreren Tages- Etappen. An steilen Felswänden vorbei, oft in schwindelerregender Höhe, über kleine Brücken und Viadukte und durch enge Stollen, schlängelt sich der 80 cm breite Kanal dahin. Immer wieder mit herrlicher Aussicht auf die darunter liegende Landschaft und das Meer.
Da Wasser freiwillig nicht in die Höhe läuft, gibt es auch keine Steigungen zu überwinden. Der Kanal ist teilweise Verwachsen oder es müssen ab und zu auch Engstellen oder besonders niedrige Tunnels umgangen werden. Insgesamt aber ein angenehmes und interessantes Wandern. Selbst Pilze (Pfifferlinge) haben wir vor einigen Tagen noch gefunden. Der Höhepunkt auf diesen Touren ist dann immer das wohlverdiente Picknik an einem besonders schönen Plätzchen.